11.03.2008 - Mehr Spitzel im Dienst der Staatssicherheit
11.03.2008, Süddeutsche Zeitung.de
Neue Studie der Birthler-Behörde
Mehr Spitzel im Dienst der Staatssicherheit
Nach einer neuen Studie der Birthler-Behörde spionierten vor der Wende fast 190 000 Bürger in Ost und West für die Staatssicherheit. Bisher war man von etwa 15 000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) weniger ausgegangen.
Bei der Erforschung der Akten in der Birthler-Behörde werden immer wieder überraschende Entdeckungen gemacht.
Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) hatte nach einer neuen Studie mehr Inoffizielle Mitarbeiter (IM) als bislang bekannt. Demnach spionierten kurz vor der Wende 1989 insgesamt rund 189 000 IM für die Stasi, wie das Büro der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen am Montag in Erfurt mitteilte.
Bislang sei man von rund 174 000 IM ausgegangen.
Grundlage ist eine Studie des Historikers Helmut Müller-Enbergs von der Stasi- Unterlagenbehörde in Berlin. Danach hat auch etwa jedes 20. SED- Mitglied mit der Stasi zusammengearbeitet.
Der Untersuchung zufolge summierte sich die Zahl der IM in Ost und West während des Bestehens der DDR auf insgesamt etwa 620 000, darunter etwa 12 000 Bundesbürger.
Als Motive der Stasi-Zuträger ermittelte Müller-Enbergs sowohl im Osten wie im Westen vor allem politische Ideale. Geld habe nur eine untergeordnete Rolle gespielt, auch erpresste Zusammenarbeit mit dem DDR-Spitzelapparat sei selten gewesen. Die Zusammenarbeit habe in der Regel sechs bis zehn Jahre gedauert.
